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Die Geschichte einer Eule
Rum, Sonntag 12. April 2026, Manfred Köhler
Bei einem Besuch in der Werkstatt der Bildhauerin Heidi Leitner in Terenten sah ich zum ersten Mal ihr Werk „Eule“ oder auf Italienisch „Civetta“ aus dem Jahr 2010. Später entdeckte ich die „Eule“ wieder in einem prachtvolle Prospekt zur Jubiläumsausstellung „Heidi Leitner – Sakrale Werke 1990 – 2010“. Das Bild der Eule faszinierte meine Frau und mich immer wieder, bis wir bei einem neuerlichen Besuch in Terenten schließlich das Original erwerben konnten.
Heidi Leitner – Eule (Civetta) 2010: Linde, Kupfer, Blattsilber, Acryl
In einem Gespräch erklärte uns Heidi Leitner einige Details aus der Entstehungsgeschichte der „Eule“. Vordergründig stellt die Skulptur eine Eule, eigentlich ein Käuzchen dar. Ihe goldener Krone und Halskette sowie ein Ölzweig lenken aber auf eine tiefere Bedeutung hin und sollen an die griechische Göttin Pallas Athene erinnern, die einer Legende nach den Griechen den Ölbaum als Nahrungsgrundlage brachte. Die Eule wurde seither von den Griechen als Sinnbild für die Göttin Athene verehrt. Daher rührt auch der Spruch „Eulen nach Athen“ tragen.
Heidi Leitner erzählte uns, dass die „Eule“ längere Zeit schon in ihrer Werkstatt gestanden hat und auch mehrere Ausstellungen im In- und Ausland erlebte. Sie wollte ihre „Eule“ aber nicht weitergeben. Erst bei unserem Besuch hatte sie das Gefühl, den richtigen Platz dafür gefunden zu haben. Um einen gebührenden und erhöhten Standort zu erhalten, hat Heidi Leitner noch einen Birkenstamm ihrer „Eule“ mitgegeben. Seither hat die „Eule“ eine zentrale Funktion in unserer Stube und hält ein wachsames Auge auf uns.
Seit mehr als 10 Jahren hat die „Eule“ nichts an Anziehungskraft verloren. Ihr sanftes, tiefsinniges Lächeln wirkt wie in den Anfangstagen immer noch beruhigend ohne den genauen Grund dafür zu kennen. Für mich stellt sie eine Madonna mit rund abfallendem Mantel dar, der Geborgenheit ausstrahlt.
Im Februar 2026 habe ich meine Memoiren geschrieben. Bei den Erinnerungen an meine aktive Bergsteigerzeit und den ausgeführten Klettertouren fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen. Meine schönste und nachhaltigste Klettertour war die Begehung der sogenannten „Schleierkante“ auf die Cima della Madonna in der Pala Gruppe in den südlichen Dolomiten. Die Schleierkante zählt zu den schönsten Klettertouren der Dolomiten. Die Cima della Madonna erhielt ihren Namen von der madonnenhaften Gestalt und die bekannten Pala-Nebel legen häufig einen Schleier um ihre Nordwestkante. Bei der Begehung kamen mir noch keine besonders tiefschürfenden Gedanken, es war einfach die Freude über einen herrlichen Fels und ein Glücksgefühl beim Höhersteigen.
Cima della Madonna Detailaufnahme
Sass Maor und Cima della Madonna
Sass Maor (links) und Cima della Madonna (rechts) im Nebelschleier aus einem anderen Blickwinkel. Wenn im Doppelgestirn ein Felsgebilde als Madonna (Maria) empfunden wird, muss das zweite daneben Josef sein, der seine schützende Hand über sie hält. Bei uns zu Hause hält die „Eule das ganze Jahr Wacht über eine 500 Jahre alten Truhe zu ihren Füßen mit Krippenfiguren von Heidi Leitner. In der Weihnachtszeit werden Josef und Maria mit allen anderen Figuren hervor-geholt und die Skulpturen sind vereint. Mir erscheint jetzt, dass die „Eule“ tatsächlich ihren angestammten Platz gefunden hat.
Noch eine andere Verbindung zwischen Bergsteigen und der „Eule“ sind aufgetaucht. „Eule“ wird im Italienischen mit „Civetta“ übersetzt, da die mächtige Nordwestwand der Civetta wie eine Eule mit ausgebreiteten Flügeln erscheint. Auch hier schimmert die Phantasie der Dolomitenbewohner durch. Im reifen Bergsteigeralter haben meine Frau und ich mit unserem längsten Klettersteig auf die Civetta unseren bergsteigerischen Höhepunkt erreicht mit bleibenden Erinnerungen.
Meine Leidenschaft
Einige meiner Arbeiten habe ich auf dieser Website veröffentlicht. Wirf einen Blick darauf:
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